Bernsteine
Wer kennt es nicht, das legendäre verschollene Bernsteinzimmer, um das sich mittlerweile zahlreiche Mythen und Legenden ranken. An über hundert geheimen Standorten könnten sich die wertvollen Wandverkleidungen aus Bernstein aus dem 18. Jahrhundert befinden, möchte man den Forschern Glauben schenken. Unmittelbar nach seiner Selbstkrönung zum ersten preußischen König ließ Friedrich I. das Zimmer von seinem Hofarchitekten und Bildhauer Andreas Schlüter entwerfen. Nach dem Tod des Königs, der die Fertigstellung des Zimmers nicht mehr erlebt hatte, schenkte sein Nachfolger die Bernstein-Verkleidungen dem russischen Zaren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es von deutschen Truppen nach Königsberg verschickt, wo sich langsam die Spur verliert. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass das Zimmer mit den edlen Wandtäfelungen gänzlich verbrannt sein soll.
Bernstein gilt als nicht sonderlich hartes Material. Im Gegensatz zu Edelsteinen besitzt es einen Härtegrad von gerade einmal 2 bis 2,5 MOHS; Diamanten liegen auf dieser Skala bei 10, dem höchsten Grad. Farblich können Bernsteine nicht auf Anhieb von anderen Steinen unterschieden werden, das bedeutet die Farbe zählt nicht zu den besonderen Merkmalen von Bernsteinen. Natürliche Farben sind helle Gelbtöne, die über orange bis rot verlaufen können. Auch Brauntöne sind möglich, genau so wie helle farblose bis schwarze Färbungen. Viele Bernsteine enthalten kleine tierische oder pflanzliche Einschlüsse, die Rückschlüsse auf die damalige Fauna und Flora zulassen. Kleine Insekten und seltene Pflanzenarten belegen die klimatischen Verhältnisse vor Millionen von Jahren. Baltischer Bernstein, das am häufigsten auf der Welt vorkommende fossile Baumharz, entstand vor 50 Millionen Jahren im Eozän. Die Wälder in Skandinavien erstreckten sich bis zum Ural und sonderten große Mengen an Baumharz ab, das aushärtete und konserviert wurde. Das Ansteigen des Meeresspiegels, Stürme und Überflutungen führten zum Abtransport des Bernsteins in die europäischen Gebiete. Das Gebiet um Kaliningrad ist heute das größte Abbaugebiet von Bernstein weltweit.
Gegenüber anderen Steinen und Gläsern, die oftmals als Imitationen über die Ladentheke gehen, weist Bernstein beim Verbrennen eine helle Flamme und einen holzigen aromatischen Geruch auf. Durch Reibung an Wolle lädt sich Bernstein elektrisch auf und zieht Papierschnipsel und andere kleine Fasern an.