Weg zur positiven MPU
Die MPU dient nicht dazu, den Fahrer nochmals für sein vergangenes Verhalten im Straßenverkehr zu bestrafen. Vielmehr soll die Frage geklärt werden, ob davon auszugehen ist, dass der Fahrer ein solches Verhalten auch zukünftig wieder zeigen wird.
Damit der Gutachter eine günstige Prognose über das zukünftig zu erwartende Verhalten im Straßenverkehr abgeben kann, reicht es nicht aus, nur die situativen Gründe für die jeweiligen Delikte aufzuführen sowie zu versichern, dass dieses Verhalten nicht mehr vorkommen wird. Vielmehr geht es darum zu zeigen, dass der Fahrer sich auch derjenigen Faktoren bewusst ist, die mit seiner eigenen Person in Zusammenhang stehen und die einen maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Delikte hatten.
Während die situativen Gründe häufig die konkreten Auslöser für die Delikte sind, stellen die übergreifenden personenbezogenen Faktoren die Bedingungen dar, die ein Verhalten überhaupt erst ermöglichen. Im Falle von wiederholten Delikten spielen diese Faktoren eine ganz besondere Rolle, da sie hier als aufrechterhaltende Bedingungen des wiederholten Fehlverhaltens gelten.
Solange keine Einsicht erfolgt, wieso ein Fahrer beispielsweise immer wieder zu schnell fährt und sich auch von Geldbußen und Punktstrafen nicht davon abhalten lässt, kann der Gutachter keine günstige Prognose abgeben! Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen oder entsprechend ausgebildetem MPU Berater ermöglicht es dem Fahrer, sich seiner relevanten Grundeinstellungen, Verhaltensdispositionen und Umweltfaktoren bewusst zu werden und so die übergreifenden Gründe für sein Verhalten zu erkennen.
Sobald dem Fahrer diese Gründe bewusst geworden sind, geht es darum, einen Änderungsprozess einzuleiten, damit zukünftig eine sichere Verkehrsteilnahme gewährleistet ist. Veränderungen benötigen jedoch Zeit, damit sie hinreichend umgesetzt werden können und stabil sind. Je nach Schweregrad und Häufigkeit der Delikte kann hier ein Zeitraum von bis zu sechs oder sogar zwölf Monaten gefordert werden.
Wenn ein Fahrer dem Gutachter nicht nur die situativen, sondern auch die übergreifenden Gründe für die Delikte erklären kann; wenn er weiß, worin sein Fehler lag und wenn er aufgrund einer stabilen Veränderung seiner Grundeinstellungen, Verhaltensdispositionen und Umweltfaktoren ein alternatives Verhalten für vergleichbare Situationen glaubhaft machen kann, sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine günstige Prognose erfüllt.